Potpourri, im Blog und im Kopf

1. Juli 2010

Schon letztes Jahr habe ich einmal ein Blog-Potpourri zu kreieren versucht, jetzt dopple ich nach. Zeit dafür finde ich dank des spielfreien Tags an der Weltmeisterschaft, und wenn wir schon dabei sind – ich hoffe, dass ich morgen nicht das Ausscheiden meiner Lieblingsmannschaft werde bedauern müssen (ich spreche jetzt nicht von meinen Landsleuten). A propos WM, wenn sich nicht alle über den Vuvuzela-Lärm beklagt hätte, hätte ich diese Tröten in den Fernsehübertragungen wohl einfach überhört. Erst als ich sie einmal aus wenigen Metern Entfernung in Form von fleissig herumtrötenden 12jährigen hörte, fielen sie mir wirklich auf – allerdings eher als Amusement denn als Kandidat für ein Verbot, wie es mitunter gefordert wird.

Ein Verbot gefordert wird auch bei der Burka. Auch mit dieser Forderung kann ich nichts anfangen, denn selbst wenn die Burka-Trägerinnen zu diesem Verhalten gezwungen werden, ist ja der Zwang das Problem und nicht die Burka. Die Burka hat übrigens möglicherweise eine Verwandte im Kapitalismus, denn hier wird behauptet:

Der Silikonbusen ist die Burka des Kapitalismus.

Ob ich das lächerlich oder bedenkenswert finde, muss ich mir erst mal noch überlegen. Der springende Punkt bei dieser Analogie ist wohl tatsächlich der eher unterschiedliche Grad an Freiwilligkeit bei den Trägerinnen von Burkas bzw. Silikonimplantaten.

Was die Vuvuezlas betrifft, habe ich dafür das folgende Zitat gefunden:

Die Fußball-WM schafft, was Stockhausen und Ligeti immer versucht haben: Vuvuzelas öffnen den Massen die Ohren und befreien sie vom Zwang zur Harmonie.

Schön wäre es, wenn es so einfach wäre, füge ich da an.

Die Ölpest im Golf von Mexiko ist immer noch nicht ausgestanden, und statt nur über die Höhe der von BP geschuldeten Zahlungen zu diskutieren, sollten wir und vielleicht einmal ein paar Gedanken darüber machen, dass es nicht einfach reicht, das Loch endlich zu stopfen und die verendeten Vögel zu bedauern. Längerfristig führt kein Weg daran vorbei, dass wir unseren Ölverbrauch massiv reduzieren müssen. Am meisten die Amerikaner, aber auch der Rest der Welt. Welche Flugreisen sind wirklich notwendig? Warum bedurfte es eines speienden Vulkans, dass die EU entdeckte, dass man auch per Videokonferenz miteinander reden kann?

An einem Atomkrieg sind wir bisher glücklicherweise nicht zugrunde geganden (und an Naturgewalten auch noch nicht, aber vielleicht könnten wir die Ölpest ja als Warnsignal auffassen). Vielleicht haben wir das diesem Mann zu verdanken, der 1983 in der sowjetischen Satellitenüberwachung einen Fehlalarm über einen amerikanischen Raketenangriff als solchen erkannte und ein Gegenangriff in der Folge ausblieb. Obwohl es laut Wikipedia nicht ganz sicher ist, ob die Schlagzeile

Der Mann, der den dritten Weltkrieg verhinderte

wirklich in dieser Form stimmt.

Die Datenschutz-Skandale amerikanischer Internet-Firmen nehmen immer noch kein Ende (vgl. meinen früheren Eintrag). So hat kürzlich Google “versehentlich” W-LAN-Daten gespeichert und das dann natürlich auch gleich bedauert. Auch bei Facebook sieht es immer noch nicht besser aus, insbesondere wurden auch persönliche Daten an Werbekunden weitergegeben, was ja exakt der Grund ist, weshalb ich bei dieser Plattform nicht mitmache. Auch bei Apple sieht es mit dem Datenschutz mittlerweile nicht mehr gut aus, und das Gebaren der firmeninternen Zensurbehörde lässt es als eine Meisterleistung der Marketingabteilung erscheinen, dass der Konzern nach wie vor als “cool” gilt.

Interessant ist aber die Ansicht von Umberto Eco, der die Mac- bzw. DOS-(d.h. PC-)Welt als “katholisch” bzw. “protestantisch” ansieht, vor allem insofern, als wir uns bei Apple in so etwas wie einem von oben vorpreparierten Garten befinden, in dem wir uns nicht verirren können und uns klar gesagt wird, was gut und schlecht ist, während mit einem PC mehr eigenes Denken vonnöten ist, um damit klarzukommen. Damit wäre ich also in der Realität zwar katholisch, computertechnisch aber protestantisch.

Zum Schluss noch ein paar Sprachblüten. Und damit meine ich nicht das “upgegradete Deutsch”, das hier diskutiert wird (ich finde die meisten Anglizismen auch blöd, besonders Grammatik- bzw. Semantik-Importe wie “Sinn machen”, aber staatliche Massnahmen dagegen sind wohl wenig wirksam), sondern etwa folgende Schlagzeile aus der NZZ vom 12. Mai 2010:

Athen beantragt erste Hilfe

Athen hätte freilich auch Erste Hilfe beantragen können, das wäre vielleicht sogar akkurater gewesen. Und warum die NZZ oft Hauptstädte nennt, wenn sie Staaten meint, ist mir schon etwas rätselhaft.

Und mitgehört habe ich auch wieder einmal etwas, diesmal bei mir selbst:

Was t xi bisch und wo t gmacht häsch

Um den Dialekt geht es mir hier freilich nicht, darum gebe ich noch eine “Übersetzung”:

Was du gewesen bist und wo du gemacht hast.

Nun würde “Was du gewesen bist” ja noch Sinn machen haben, aber “wo du gemacht hast” eher nicht, also wollte ich wohl sagen: “was du gemacht hast und wo du gewesen bist”. Ich schwöre hoch und heilig, dass mir das wirklich so herausgerutscht ist. Ein sehr interessanter Einblick auf das Potpourri in meinem Sprachzentrum ist das doch.

Neue Fotospielereien

25. Mai 2010

Mein digitales Fotoarchiv ist wieder einmal etwas grösser geworden und enthält jetzt auch Bilder aus diesem Jahr. Die Kamera ist zwar eine neue, aber ich bin (unter anderem) immer noch auf der Jagd nach ähnlichen Motiven wie früher, ungewöhnlichen Mustern nämlich, die sich aufgrund von Spiegelungseffekten ergeben. Das soll nicht heissen, dass ich mich nicht um menschliche Wesen als Fotosujets bemühe – solche Fotos dränge ich einfach nicht so ungeniert der Öffentlichkeit auf.

Woran der Erdball krankt

18. Mai 2010

Im Tagesanzeiger ist kürzlich eine sehr lesenswerte Rede von Benedikt Loderer über die Zersiedlung der Landschaft erschienen. Loderer ist auch als “Stadtwanderer” bekannt, eine Geisteshaltung, die ich mich gelegentlich auch einzunehmen bemühe, vor allem in fremden Städten, manchmal aber auch in der eigenen Stadt. Und da ich ja früher schon ein paarmal das Thema Zersiedlung angeschnitten habe, will ich jetzt ein paar Aspekte dieser Rede aufgreifen.

Loderer holt weit aus, denn zunächst lässt er uns wissen, dass

“Ich bin überzeugt, dass der Konsum das Subjekt der Geschichte ist.”

Dies bezeichnet er dann als “meine bescheidene Einsicht in den Lauf der Welt”. Nun, er ist vielleicht nicht der erste, der diese Ansicht äussert. Ob ich mit ihr einverstanden bin, bin ich mir nicht so sicher, aber diskussionwert ist sie allemal. Hier geht es nun aber um eine spezielle Form von Konsum, den Konsum von unbebautem Land nämlich, und da stellt sich eben das Problem, dass das Konsumgut nicht produziert oder reproduziert werden kann, dass wir es also im Gegensatz zu den meisten anderen Bereichen der Wirtschaft tatsächlich mit einem Nullsummenspiel zu tun haben. Die diesem Konsum zugrundeliegende Sehnsucht von uns Städtern nach der unberührten Natur wird dann auch gehörig ins Visier genommen, mit dem ernüchternden Fazit,

“Jede Erstbesteigung endet mit einem Skilift.”

An einem fiktiven Fallbeispiel wird der Prozess der Zersiedlung dann illustriert, der Bauer Rüdisüli verkauft ein Stück Ackerland an einen Lehrer, der darauf sein “Hüsli” baut. Und dieser Lehrer tritt dann den Grünen bei und erhebt selbstverständlich gegen den Bau weiterer Hüslis in seiner Gegend Einsprache, er will ja schliesslich die unverbaute Natur geniessen.

(Kleine Analogie: Dieser Prozess erinnert mich an die Geschichte vom Aufsteiger, der hinter sich die Leiter zum Aufstieg einzieht, oder an die vor kurzem eingebürgerten Immigranten, die der SVP beitreten und gegen Einbürgerungen ankämpfen.)

Die Forderungen, die Loderer am Ende seiner Rede stellt , sind klar und meiner Ansicht nach unbedingt zu unterstützen: vor allem keine Ausweitung der Bauzonen mehr, und stattdessen verdichtetes Bauen an Orten, wo schon zu bauen begonnen worden ist. Bei uns ist im Moment die Landschaftsinitiative hängig, die Forderungen dieser Art stellt. Ich bin gespannt, ob sie bei der Abstimmung eine Chance hat.

Schliesslich, und das ist wohl der heikelste Punkt, müssten wir und einmal darüber klarwerden, ob es eigentlich wünschenswert ist, dem berühmten “Traum vom Eigenheim” weiter anzuhängen, oder ob das nicht ein Beispiel eines Traums ist, dessen Verwirklichung in jedem einzelnen Fall erfreulich ist, in der Gesamtheit der Fälle aber sehr unerfreuliche Konsequenzen hat, in diesem Fall eben die Zersiedlung der Landschaft. Was gut für den Einzelnen ist, kann schlecht für die Gesamtheit der “Einzelnen” sein. Umsomehr, als dass neue Einfamilienhaussiedlungen als Kollateralschäden allerlei Parasiten nach sich ziehen, wie etwa Detailshandelsfilialen und den damit einhergehenden “Zwang” zum Strassenbau. Also wie gesagt, ich mache niemandem einen Vorwurf, der in einem Eigenheim lebt, ich stelle einfach die Frage, ob das ein gesellschaftlich erwünschter Vorgang sein soll. (Dass der Wille, um buchstäblich jeden Preis ein Eigenheim zu erwerben, die Finanzkrise mitverursacht hat, ist dann wieder ein anderes Thema.)

Wie auch immer, das für mich treffendste Zitat zum Thema Zersiedlung stammt nicht von Benedikt Loderer, sondern von einem Architekten aus meiner Familie, der einst meinte (ich blogge das nicht zum erstenmal), und wahrscheinlich nicht vollständig ironisch,

“Der Mensch, Hautkrankheit des Erdballs.”

Lieber googlen als verapplet werden

9. Mai 2010

Zuerst wollte ich hier einmal etwas Kritisches über Google schreiben. Und da gäbe es ja auch genügend Stoff, so etwa die unsägliche Schlamperei um die Anonymisierung der Street-View-Fotos: Nicht nur wurden nicht alle Gesichter unkenntlich gemacht, es ist ja auch so, dass viele Personen auch ohne Gesicht erkennbar sind, etwa anhand von Kleidung oder anderen Besonderheiten. Für mich ist dieses Projekt aus Datenschutzsicht grundsätzlich fragwürdig (das Recht darauf, nicht ungefragt fotografisch veröffentlicht zu werden, halte ich für wichtig), und unser Datenschutzbeauftragter ist mittlerweile aktiv geworden, allerdings etwas spät und zaghaft. Vielleicht fehlt ihm auch die nötige Macht. Und wenn wir schon beim Datenschutz sind, es gibt auch die Suchmaschine Ixquick, die gemäss eigenen Angaben keine IP-Nummern speichert. Ich glaube das jetzt mal, sicher sein kann ich natürlich nicht. Die Suchergebnissse von Google sind allerdings besser als diejenigen von Ixquick, zugegebenermassen.

In den Schlagzeilen war Google auch, als sie vor ein paar Monaten den Medien ihr Forschungszentrum in Zürich vorführten, und es gab allerlei begeisterte Bericht über dieses mehr oder weniger als Wohlfühlwelt präsentierte Zentrum, allerdings auch kritische Stimmen. Es wurde auch diskutiert, ob Google etwas Sektenähnliches hat, der Sektenexperte Hugo Stamm hat sich hier dazu geäussert. Es ist wohl eine Tatsache, dass wer für Google arbeiten will, bereit sein muss, dem Konzern nicht nur seine Arbeitskraft, sondern de facto sein ganzes Leben zur Verfügung zu stellen. Da aber so viele Leute für Google arbeiten wollen, kann der Konzern natürlich schon solche Forderungen stellen, ohne auf Widerstand zu stossen, und die eingeflogenen Spezialisten etwa aus Asien (der Bund hat neu eingeführte Beschränkungen gerade wieder aufgehoben) sind sicher sogar froh, wenn ihnen der Arbeitgeber nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern auch gleich ein soziales Netz verschafft.

Fast Mitleid hatte ich mit Google, als einige Google-Manager in Italien verurteilt wurden, weil ein auf Youtube abrufbares Video einen anstössigen Inhalt hatte und Google nicht genügend schnell gegen dessen Erhältlichkeit vorgegangen war. Immerhin zeigt dies doch, dass die über Google-Dienste gefundenen Inhalte nicht vorab gefiltert oder zensiert werden.

Jetzt habe ich ja doch über Google gebloggt, allerdings nur mässig kritisch, weil sich mein Kritisch-Sein momentan mehr gegen die konzernifizierte Coolness richtet, Apple nämlich. Warum es dann aber cool sein soll, sich freiwillig in das geschlossene Apple-Universum zu geben, ist dann aber schon eine Frage. Hört man doch immer wieder über Klagen von Entwicklern, deren Applikationen von Apple abgewiesen werden. Was ich aber nur vom Hörensagen kenne, schliessslich habe ich mich der Apple-Manie bisher widersetzt. Und je mehr man mir mit irgendwelchen Marketing-Tricks (die Geschichte um den verlorenen IPhone-Protypen war wohl auch einer, besonders in Anbetracht von Apples Sicherheitspolitik) zu suggerieren versucht, es sei trendig, ein IPhone oder IPad oder Iirgendwas zu besitzen, desto weniger Lust habe, einen Aufpreis für diese Coolness zu bezahlen.

Also, dann ist es mir doch noch lieber, mich frei im Google-Internet zu bewegen, als mich auf die durch die Apple-Zensurbehörde genehmigten Inhalte zu beschränken.

Vertrauen ist gut, keine Kontrolle ist besser

2. Mai 2010

Das Bankgeheimnis ist bei uns nach wie vor ein heisses Thema. Gerade hat die FDP wochenlang darüber gestritten, und das heisst schon einmal etwas, wenn das Bankgeheimnis sogar in dieser Partei nicht mehr unumstritten ist. Zuerst wollte Parteipräsident Pelli mit seiner “Weissgeldstrategie” fordern, dass die Banken von Ausländern nur noch erwiesenermassen versteuertes Geld annehmen dürfen, geriet dann aber unter schweren parteiinternen Beschuss (besonders ins Zeug für die ausländischen Steuerbetrüger legte sich Doris Fiala, die schon die Einsprachemöglichkeiten von Umweltverbänden gegen Bauprojekte beschneiden wollte), worauf sich die Partei schliesslich auf eine “Selbstdeklarationspflicht” ausländischer Bankkunden festlegte. Die Banken sollen also nur noch deklariertermassen versteuertes Geld annehmen dürfen. Es ist die Rede von Vertrauen, mündigen Kunden und liberalen Prinizipien, ganz im Sinn des Sprichworts, dass Vertrauen gut ist, aber Kontrolle in diesem Fall offenbar nicht besser.

Nachträglich Recht bekommt mit dem sukzessiven Abbröckeln des Bankgeheimnisses aber der ehemalige Chef der Bank Julius Bär, Hans J. Bär, dessen Memoiren “Seid umschlungen, Millionen” ich vor ein paar Jahren gelesen habe. Was einigermassen erstaunlich ist, da mich ein ehemaliger Bankpräsident im Normalfall nicht sonderlich interessieren würde, aber Hans J. Bär ist tatsächlich ein aussergewöhnlich vielseitiger Mensch. Und in diesen Memoiren schreibt er eben an einer Stelle, das Bankgeheimnis mache “fett, aber impotent”, wofür er dann von seinen “Kollegen” heftig gescholten wurde.

Aber vielleicht erweist sich ja sogar die FDP erneut als lernfähig (den absurden Big Brother-Vorschlag zu den Krankenkassenprämien hat sie inzwischen fallengelassen) und lässt dem Lippenbekenntnis zum sauberen Finanzplatz irgendwann auch mal noch Taten folgen. Sonst macht das Festhalten am Bankgeheimnis die Partei dann noch impotent. Fett ist sie freilich schon länger nicht mehr.

Aber ist denn das Bankgeheimnis nicht auch ein Schutz gegen den Big-Brother-Staat? Tendenziell schon, nur scheint es mir eben wie auch schon erwähnt so, dass der Preis dieses Schutzes vor dem Big-Brother-Staat, die Freiheit zum Verweigern der geschuldeten Steuern nämlich, zu hoch ist. Es geht darum, das kleinere Übel zu wählen. Und ausserdem erachte ich, und das ist eine äusserst unschweizerische Ansicht, die finanziellen Verhältnisse einer Person nicht ale eine besonders “intime” oder sensible Information, weitaus weniger sensibel und schutzbedürftig als etwa medizinische Informationen (elektronische Patientendossiers etc.) oder auch nur schon als das Recht, nicht ohne Zustimmung fotografisch im Internet veröffentlicht werden. Und die Bedrohungen für den Datenschutz scheinen mir heute auch nicht mehr hauptsächlich von staatlicher Seite zu kommen (auch wenn der Fichenskandal nicht vergessen werden sollte), sondern von Firmen, die irgendwie ergatterte private Daten zu Werbezwecken weiterzuverkaufen bestrebt sind. Hier sehe ich es als die Aufgabe jedes Einzelnen an, diesen Firmen nicht zu vertrauen, auch wenn sie behaupten, der Einzelne behalte die Kontrolle über seine Daten.

Spampoesie, übersetzt verstanden

25. April 2010

So, jetzt widme ich mich mal dem Spam. Denn wie wohl jeder Blogger bekomme ich immer wieder Spam-Kommentare, die ich meistens auch gleich lösche. Kürzlich habe ich aber einmal eine dermassen sinnfreie Aneinanderreihung von Wörtern bekommen, dass es mich zur Weiterspielerei angeregt hat. Ausgangspunkt ist also die folgende Ansammlung von Wörtern: (vielleicht stammt sie aus der Welthauptstadt der Hacker)

Activity Asset,male murder effective face explain adopt public record talk theory so rest herself slowly fuel firm touch region know responsible officer yet tea occur reason weak impression thing map count same drive instrument strong advance rapidly figure thought him view watch pay option data deal achieve wear plan display failure authority terms reject parliament dog determine laugh on hang credit department of leaf only religious you village dangerous play shout holiday bottom to when match tone guest village remain once lady dog lady base existence advise town

Da ist mir plötzlich der Gedanke zu kommen, in diesem Wortsalat einen “verborgenen” Sinn zu erkennen, bestimmt verborgener als der vom Spammer intendierte. Meine Idee war nämlich, diesen “Text” so lange durch eine Übersetzungsmaschine zu jagen, bis daraus ein grammatikalisch korrekter Text wird. Für das Thema Übersetzungen interessiere ich mich ja spätestens seit der Lektüre von “Le Ton Beau de Marot” von Douglas Hofstadter.

Ich habe ausschliesslich den Google-Übersetzer benutzt, da dieser besonders viele Sprachen zur Auswahl hat. Natürlich weiss ich nicht, wie dieser funktioniert, vielleicht benützt er bei allen Übersetzungen zwischen zwei anderen Sprachen als Englisch das Englische als “Zwischenstation”. Das ist mir jetzt aber egal, ich stelle mich auf den rein “phänomenologischen” Standpunkt und beobachte einfach, was er ausspuckt bei den Aufgaben, die ich ihm vorgebe.

Eine erste Übersetzung ins Deutsche ergibt natürlich noch nichts Sinnvolles:

Activity Asset, männlich Mord wirksame gegenüber-stehen, zu erklären erlassen öffentlichen Aufzeichnungen sprechen Theorie so ruhen sich langsam feste Brennstoffe touch Region kennen verantwortlichen Offizier noch Tee vorkommen Grund etwas schwachen Eindruck Karte zählen gleichen Laufwerk Instrument starke Voraus schnell fand ihn Profil ansehen bezahlen Option Daten viel erreichen Verschleiß Abbildung Plan Display Ausfall Behörde Bedingungen ablehnt Parlament Hund bestimmen lachen hängen Kreditabteilung des Blattes nur religiöse Sie Dorf gefährliches Spiel Shout Urlaub, wenn unten nach Match Ton Bewertung Dorf einmal Dame Hundedame base rate Existenz Stadt bleiben

Dann habe ich “Touren” durch diverse Sprachen unternommen, ich nenne jeweils die “Zwischenstationen” und die ins Deutsche übersetzten “Zwischenergebnisse”:

(Afrikaans-Albanisch-Bulgarisch-Dänisch:)

Aktivieren erläutert die Vorteile gegenüber Männern Mord Theorien, wirksame Information der Öffentlichkeit ausgesetzt Gespräche mit festen Brennstoffen so langsam Region zu einem verantwortlichen Offizier oder Tee geworden Sinn etwas schlechte Karten auf dem gleichen Gerät basiert vor sehr schnell kennen und nutzten die Gelegenheit, um mehr zu sehen Kontoinformationen zu zahlenden Mangel gemeinsam einen Plan zur Abbildung aushelfen Haus lehnt die Behörde festgelegt abhängig Hund wagen Leihstelle des Blattes Dorf, nur Geschrei religiösen gefährliches Spiel, wie die linke weiterhin mit den Damen erfüllen fundierte Bewertung Dorf Dame Hund, wenn Stadt-Kurs

(Englisch-Estnisch-Finnisch-Französisch:)

Profitieren Sie von Theorien zur Ermordung von Menschen, eine wirksame Information der Öffentlichkeit erklären, Gespräche ausgesetzt festen Brennstoff, den Kopf langsam oder verletzen die Vorstellung von Karten auf dem gleichen Rechner basiert vor und weiß sehr schnell angesichts der Gelegenheit, den Mangel an Information und Unterstützung Plan sehen, weist das Haus die Anzahl der Einheiten wird durch die Ausleihtheke Hund bestimmt wagen Zeitung im Dorf, nur Geschrei religiösen gefährliches Spiel dass die linke weiterhin die Damen und zuverlässige Beurteilung des Dorfes Frau im Zusammenhang mit dem Hund treffen, wenn die Stadt

(Galicisch-Griechisch-Hebräisch-Hindi:)

Profitieren Sie von Grundsätzen für das Töten von Menschen verließen die Information der Öffentlichkeit rufen feste Brennstoffe, langsam oder Karte zu früh, um vor der Prüfung einen einzelnen Computer über die Verzögerung des Kopfes, wo sich das Fehlen von Informationen und Unterstützung ist Know-Einheiten siehe die Zahl der Risiko-Programm ist das Gegenteil von dem Hund im Dorf, nur Geschrei religiösen links gefährliches Spiel zu Frauen und Frauen in einem Dorf auf den Hund weiterhin erfüllt, zuverlässige Schätzungen der Stadt

(Indonesisch-Irisch-Isländisch-Italienisch:)

Benefits Menschen verlassen den Grundsatz der Öffentlichkeit Informationen über die Ermordung von festen Brennstoffen, verlangsamen und spielen zu früh, um im Falle einer Verzögerung in der Pre-Test von einem Computer in seinem Kopf, wo der Mangel an Information und Unterstützung, fahren Sie bitte nennen Inwieweit das Wechselkursrisiko für den Hund im Dorf, nur Anschreien links gefährlich in den religiösen Land weiterhin zu den Hunden, verlässliche Einschätzung der Stadt treffen

(Japanisch-Katalanisch-Kraotisch-Lettisch:)

People Vorteil, wobei die Grundsätze der Information der Öffentlichkeit über die Ermordung von festen Brennstoffen in den Nachmittag, weil ein Mangel an Information und Unterstützung frühzeitig auf mehr spielen, rufen Sie uns bitte, wenn Sie eine religiöse test diese Änderung in das Land Gefahr oder das Ausmaß verzögern, der einen gefährlichen Hund im Dorf, nur schreien um den Hund, sondern um zuverlässige Schätzungen der Stadt erhalten

(Litauisch-Mazedonisch-Niederländisch-Norwegisch:)

Menschen verwenden die Information der Öffentlichkeit über feste Grundsätze des Mordes am Nachmittag wegen des Mangels an Informationen und Unterstützung für mehr zu kommen und spielen, laden Sie uns, wenn Sie eine religiöse test in diesem Land haben, das Risiko von Verzögerungen oder gefährlichen Hund, wenn es darum geht, Dorf nur rief den Hund, sondern um zuverlässige Schätzungen der Stadt zu gewährleisten, erhalten

(Polnisch-Rumänisch-Schwedisch-Slowakisch:)

Die Menschen sind mit öffentlichen Informationen über die Grundsätze der Guten töten am Nachmittag wegen des Mangels an Information und Unterstützung Viel Spass und zögern Sie nicht uns zu kontaktieren, wenn Sie eine religiöse test in diesem Land haben, das Risiko von Verspätungen oder gefährlicher Hund, wenn der Hund ist das einzige Dorf, sondern bieten zuverlässige Schätzungen der Stadt wurde

(Tschechisch-Türkisch-Ukrainisch-Ungarisch:)

Menschen mit Informationen und Unterstützung, mangelnde Unterhaltung in der richtigen Prinzipien informieren die Öffentlichkeit über die Märtyrer ist, in diesem Land, religiöse testen, wenn Sie uns kontaktieren möchten, bitte nicht auf die Standardwerte zögern, und gefährliche Hunde, Hunde in einer Gemeinschaft, und gleichzeitig eine zuverlässige Beurteilung des

(Walisisch-Weissrussisch-Serbisch-Slowenisch:)

Menschen, Informationen und Unterstützung, der Mangel an Unterhaltung auf den Grundsätzen der Gerechtigkeit für die Werbung der letzten Zeit nicht im Land eingerichtet worden, religiösen, wenn Sie uns kontaktieren möchten, bitte nicht, um Fehler und gefährliche Hunde, Hunde in der Gemeinschaft zögern und gleichzeitig eine verlässliche Schätzung

Der Text ist kürzer geworden, und es sind schon einige sinnvolle Satzteile entstanden. Ich habe dann die obige “Reise” durch die erwähnten Sprachen rückgängig gemacht und die folgenden Resultate erhalten:

Menschen, Informationen und Unterstützung, nicht der Mangel an Unterhaltung auf den Grundsätzen der Gerechtigkeit, zu spät zu werben, in dem Land, religiösen, wenn Sie uns kontaktieren möchten, zögern Sie nicht, um Fehler und gefährliche Hunde, Hunde in der Gemeinschaft und zur gleichen Zeit, genau zu beurteilen

(weiter rückwärts:)

Menschen, Informationen und Unterstützung, nicht Spaß Defizit bis zum Ende des Landes, der Religion, der Gerechtigkeit zu unterstützen, möchten wir, korrupten und gefährlichen Hunden, Hunden in einer freien Gesellschaft fühlt und richtig erkannt, bitte

(weiter rückwärts:)

Menschen, Informationen und Unterstützung, und nicht das Ende Defizit-Spiel Landes, der Religion, die Förderung von Gerechtigkeit, wir wollen die korrupten und gefährlichen Hunde, Hunde in einer freien Gesellschaft fühlt und richtig erkannt,

(weiter rückwärts:)

Menschen, Informationen und Unterstützung, anstatt das Spiel Defizit am Ende des Landes, der Religion, die Förderung von Gerechtigkeit, die wir den korrupten und gefährlichen Hunden will, glaubt Hund in einer freien Gesellschaft und korrekt erkannt werden,

(weiter rückwärts:)

Menschen, Informationen und Unterstützung zu fördern, anstatt Gerechtigkeit und den endgültigen Verlust des Glaubens, wollen ein gefährlicher Hund ist beschädigt haben wir einen Hund in einer freien Gesellschaft erkennt richtig glaubt, dass

(weiter rückwärts:)

Menschen zu ermutigen, Informationen und Unterstützung zu erkennen, anstatt Gerechtigkeit und den endgültigen Verlust des Glaubens, der gefährliche Hund ist ein Hund in einer freien Gesellschaft verletzt wirklich glauben, dass

(weiter rückwärts:)

Information und Unterstützung zu identifizieren Leute erwarten Gerechtigkeit und vollständigen Verlust des Vertrauens, der einen Hund Foster ist in einer freien Gesellschaft gefährlich ist, dass der Geschädigte Hund

(weiter rückwärts:)

zu ermitteln und den Menschen helfen, und erwartet Verlust des Vertrauens abgeschlossen ist, wird Foster eine freie Gesellschaft ist ein gefährlicher Hund, der Hund verletzt

Noch kürzer ist der Text geworden, immer noch sind “sinnvolle” Satzfragmente zu finden, aber mein Ziel, einen insgesamt grammatikalisch einwandfreien Text zu bekommen, habe ich noch nicht erreicht. Also geht es weiter, ich gebe jetzt nicht mehr alle Sprach-Zwischenstationen an:

Identifizieren und den Menschen helfen und Verlust des Vertrauens wird erwartet, dass eine freie Gesellschaft zu fördern ist das Ziel ein gefährlicher Hund, Hund verletzt

(weiter:)

Identifizieren und helfen den Menschen und den Verlust des Vertrauens wird erwartet, dass eine freie Gesellschaft, deren Ziel die Förderung eines Hundes, ein Hund schwer verletzt zu schaffen

(über Ungarisch, Türkisch, Norwegisch, etc.)

Problemerkennung und den Menschen helfen und Verlust des Vertrauens in einer freien Gesellschaft, dass die Hoffnung auf die Förderung des Hundes erforderlich ist, nach Hause zu ermitteln

(weiter:)

Frage der Anerkennung und Unterstützung der Gemeinschaft und zum Verlust des Vertrauens in der Gesellschaft fördern nicht die Hoffnung auf einen Hund in der Hausordnung

(über Vietnamesisch:)

Die Frage der Anerkennung und Unterstützung der Gemeinden und der Verlust des Glaubens in der Gesellschaft nicht förderlich ist die Hoffnung auf einen Hund in der Hausordnung

(über Suaheli:)

Die Frage der Anerkennung und Unterstützung der Gemeinschaft zu verlieren, den Glauben in der Gesellschaft ist nicht sehr gut für Hunde im Gesetz

(über Finnisch:)

The question of losing respect and support of faith in society, is a very good law for dogs

(über Hebräisch und Jiddisch ins Englische:)

The question of losing respect and support of religion in society is a great Torah for dogs

Damit hätte ich zumindest einen grammatikalisch korrekten englischen Satz produziert. Interessanterweise scheitert das Programm daran, diesen direkt ins Deutsche zu übersetzen, da es nicht bemerkt, dass “respect and support of religion in society” als Objekt zu “losing” aufzufassen ist. Aber ausgehend vom englischen “Original” hätte ich damit das Zwischenziel erreicht, einen korrekten englischen Text zu erhalten. Für den korrekten deutschen Text sind aber weitere Umwege notwendig.

(über Türkisch:)

support community to lose respect for religion and the Torah is a great problem for dogs

(über Ungarisch, Mazedonisch:)

Respekt vor der Religion und das Recht auf ein großes Problem bei Hunden entfernen Unterstützung

(über Kroatisch:)

Respekt vor der Religion und das Recht auf ein großes Problem bei Hunden entfernen Beihilfen

Voilà, ich habe einen korrekten deutschen Satz, strenggenommen schon bei der vorigen Etappe. Wenn ich weiter übersetze (über Thailändisch) wird aus dem Satz aber wieder ein Satzfragment:

Religion und das Recht auf ein erhebliches Problem bei Hunden entfernen.

So, und was sagt uns diese Spielerei über die Funktionsweise vom Übersetzungsmaschinen? Dass sie nicht einwandfrei funktionieren. Und dass sie ein amüsanter Zeitvertrieb sein können. Aber warum von allen Wörtern des Originals fast nur der “Hund” die übersetzerische “Weltreise” unbeschadet überstanden hat, wäre dann auch noch zu klären.

Die Meistersinger von Zürich

19. April 2010

Heute ist Sechseläuten, ein Zürcher Frühlingsfest, dessen Bedeutung ich schon einige Male erfolglos Ausländern zu erklären versucht habe. Laut diesem Artikel ist es eine Art Fasnacht für Gutbetuchte. Oder aus meiner Sicht eine Art bürgerliche Streetparade. Wobei die Streetparade ja mittlerweile auch überhaupt kein “alternativer” Anlass mehr ist. Wie auch immer und gutbetucht hin oder her, derselbe Artikel weist auch darauf hin, dass

“Der Sechseläuten-Umzug erinnert an eine Zeit, als in Zürich nicht die Banken das Sagen hatten, sondern das Handwerk.”

Passend dazu habe ich mich vorgestern dazu überreden lassen, im Opernhaus Wagners “Die Meistersinger von Nürnberg” zu besuchen, und es war wirklich verblüffend, wieviele Anklänge ans Zürcher Zunftwesen man in der Meistersinger-Zunft dieser Oper finden kann.

Musikalisch hat mir “Tristan und Isolde”, das ich vor etwas über einem Jahr sah, eher besser gefallen. Aber sprachlich ist es mir ähnlich ergangen wie damals, als ich nach der Vorstellung mich schlau machen musste betreffs der Bedeutung von “kiesen” – diesmal habe ich mit dem altdeutschen Wort für Schwiegersohn Bekanntschaft gemacht: Eidam. Das habe ich hier gelernt.

Nun habe ich ja eigentlich mit den am Sechseläuten durch die Innenstadt ziehenden “Meistersingern von Zürich” nicht so viel gemeinsam, aber ich wünsche mir eigentlich durchaus, dass es wieder einmal wie oben beschrieben werden möge. Dass nämlich die Banken sich wieder mehr in den Dienst dieser Meistersinger (bzw. aller Arten von Handwerk, Gewerbe und Industrie) stellen, sich also auf das Geschäft mit Krediten und Spareinlagen konzentrieren, statt sich durch Spekulationen mit Schrottpapieren und Horten von Schwarzgeld selbst zugrunde zu richten, sodass sie schlussendlich mit den von den Meistersingern seriös erarbeiteten Steuergeldern gerettet werden müssen.

Absturz am Nanga Parbat

11. April 2010

Vor einiger Zeit habe ich im Kino “Nanga Parbat” gesehen, einen Film über die deutsche Expedition zu diesem Himalaya-Gipfel im Jahr 1970, bei der die Brüder Reinhold und Günther Messner teilnahmen und Günther unter teilweise ungeklärten Umständen ums Leben kam. Seither sind verschiedene Verschwörungstheorien über die Rolle Reinhold Messners bei diesem tragischen Unglück aufgetaucht, die dessen Rolle in ein schiefes Licht stellten. Die Diskussion ist offenbar immer noch im Gang, auch vor ein paar Jahren erfolgte Knochenfunde räumen nicht alle Zweifel aus.

Der Film hat mich nur mässig begeistert; was die erwähnte Kontroverse betrifft, stützt er die Version Reinhold Messners, aber damit sind natürlich nicht alle Fragen ausgeräumt. Die angekündigten spektakulären Gebirgsaufnahmen, um derentwillen ich vor allem hingegangen war, waren dann teilweise doch nicht so aufregend. Interessant war dafür die Rückblende in die Kindheit der Messner-Brüder, etwa mit deren ersten Kletterversuchen an der Friedhofsmauer ihres Südtiroler Heimatdorfs.

Spektakuläre Aufnahmen (das Urteil bleibt freilich dem Betrachter überlassen) sind mir dafür gelungen, als ich im Internet im voraus Informationen über diesen Film zu recherchieren versuchte. Denn nicht zum erstenmal stürzte der Browser beim Betrachten dieser Kino-Website ab. Und war wiederum mindestens so freundlich, genügend lang abgestürzt zu bleiben, mir das fotografische Festhalten der Situation zu erlauben. Als Ergänzung zur ersten Browserabsturz-Serie im Januar erlaube ich mir, diese kleinen Spielereien erneut (und hoffentlich zum letztenmal) hochzuladen.

Am Schalter mitgehört

30. März 2010

Und gleich noch etwas zum Thema “mitgehört”, aber diesmal nicht aus einem Zug, sondern aus der Warteschlange einer Wechselstube in Zürich. Diesmal geht es auch nicht um die Eigenheiten unserer Mundart, sondern um unsere Auffassung des Hochdeutschen, die die (Nord)deutschen dazu verleitet zu meinen, wir sprächen Mundart, wenn wir Hochdeutsch zu sprechen glauben.

Das können Sie fortrühren.

Diese Information gab der Schalterbeamte nämlich wiederholt der vor mir wartenden Frau. Interessanterweise ist nämlich die Verwendung von “rühren” für “werfen” nicht in allen Schweizer Dialekten üblich, so hätte ich die zitierte Aufforderung im “niederalemannischen” Basel wohl nicht mithören können.

Ob die Aufforderung verstanden wurde, bin ich nicht so sicher, denn die Dame hat sich dann noch eine ganze Weile nicht von diesem Schalter fortgerührt. Dafür wird die Diskussion über “Helvetismen” in diesem Blog noch etwas ausführlicher geführt.

Eichmann in Jerusalem

26. März 2010

Nach der Lektüre von Hannah Arendts “Eichmann in Jerusalem”, dem Bericht über den Prozess von 1961 in Jerusalem gegen den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann, kommt mir der Gedanke, dass ich es mir eigentlich gleich noch ein zweites Mal vornehmen und kontinuierlich Notizen machen müsste, um die zentralen Aussagen wirklich zur Kenntnis nehmen und mir ein eigenes Urteil darüber zu bilden zu können. Auf jeden Fall ist die Lektüre des Prozessberichts sehr spannend und bringt auch einige heute nicht so bekannte Fakten zutage, zum Beispiel dass die Deportation der Juden nicht in allen von den Nazis besetzten oder mit ihnen verbündeten Ländern gleich gut funktionierte. In Dänemark etwa funktionierte die Deportation praktisch gar nicht, dank der Zivilcourage der lokalen Bevölkerung und, erstaunlicherweise, des mangelnden Willen der lokalen NS-Verwalter, den lokalen Widerstand zu unterdrücken. Andererseits wurde in Rumänien anscheinend versucht, die Brutalität der Nazis noch zu überbieten.

Der Name Eichmann war mir natürlich ein Begriff gewesen, es war mir aber nicht bewusst gewesen, dass er in der Nazi-Hierarchie gar nicht eine so hohe Position innehatte, in der Befehlskette zwischen Hitler und ihm waren noch etwa drei oder vier Zwischenglieder. Dennoch war er offenbar “zentral mitverantwortlich” für die administrative Durchführung der Judenvernichtung, und so ist eine der wichtigsten Fragen naturgemäss: Hatte er denn keine Gewissensbisse bei seiner Tätigkeit? Laut Arendt stellte sich beim Prozess heraus, dass das offenbar nur ganz am Anfang ein bisschen der Fall war, dass er dann aber sein Gewissen erfolgreich “abzuschalten” vermochte, als er sah, dass um ihn herum offenbar niemand etwas gegen die “Endlösung” einzuwenden hatte. Offenbar wurde er vor dem Prozess auch psychologisch untersucht und überhaupt nicht als geisteskrank eingestuft. Sein Hauptziel während der Nazi-Ära war offenbar jeweils nur die nächste Beförderung, ein sehr banales auch heute von vielen Menschen geteiltes Ziel.

Ich will damit natürlich nicht behaupten, dass in jedem von uns ein “kleiner Eichmann” steckt, aber in seinem Fall präsentiert sich das Böse wohl in der Tat ziemlich banal, wie Arendt im Untertitel des Buches schreibt, und wofür sie massiv angegriffen wurde. Angegriffen wurde sie auch, weil sie die Rolle der Judenräte kritisch beleuchtete, aber dazu kann ich mich natürlich nicht kompetent äussern. Weitere Fragen sind etwa, ob Eichmann nicht besser vor ein internationales Gericht gestellt worden wäre (bzw. ob es sich bei dem Prozess in Israel um “Siegerjustiz” handelte), welche Rolle die seine Entführung aus Argentinien bei der Legitimität des Prozesses spielte oder ob die damalige BRD ein Auslieferungsbegehren an Israel hätte stellen sollen. Und welches eigentlich das Ziel dieses Prozesses war bzw. hätte sein sollen, irgendwo im Spannungsfeld zwischen der streng juristischen Beurteilung von Eichmanns Verbrechen und der Aufarbeitung der beispiellosen Katastrophe der Judenvernichtung.